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Zwischenbericht
Es ist eine wundervolle Erfahrung an einem Ort zu leben, an dem es einem so vorkommt, als liefe einem die Zeit hinterher und nicht umgekehrt. Mit jedem Tag wird mir mehr bewusst, dass es wohl die beste Entscheidung meines Lebens war, einmal die Dinge aus der Hand zu geben und mich vom Leben leiten zu lassen. Vielleicht mag das euphorisch klingen, aber es ist halt schwer in Worte zu fassen, was mir hier draußen alles begegnet. Ich werde mal versuchen vorne anzufangen und die Berichte in Zukunft etwas häufiger zu aktualisieren.
![]() Ich wurde ganz herzlich von Michael und Jutta empfangen. Nicht so von Puck (dem Wachhund) der Nachts gerne Wildschweine oder Kaninchen zerlegt und dann morgens mit roter Schnauze dreinschaut, als wäre nichts gewesen. Mittlerweile komme ich gut mit ihm zurecht. Anscheinend erkennt er mich inzwischen als Mitbewohner an, zumal Suzy (sein Weibchen) mich mag und sie die Rudelführerin zu sein scheint. Hier toben immerhin mit ihrem 7er Wurf 17 Hunde herum (rechts ein Blick in den "Vorgarten"). Wer sich einmal den Spaß machen will, Michaels und Juttas Grundstück zu erfassen, gibt bei Google-earth die Koordinaten 29°02'51.07'' S / 147°30'20.51'' E ein (da wohne ich gerade), geht auf eine Höhe von 30 km und positioniert das Haus in der oberen linken Ecke. Als Vergleich kann man sich mal die Bochumer City raussuchen und dort auf 30 km Höhe gehen. Das alles ist Mogila Station... ![]() Das Leben hier im Outback ist - ich denke, friedlich wäre das richtige Wort. Es ist eigentlich immer was zu tun, aber das Arbeiten ist völlig anders als in der Stadt. Zwangloser, angenehmer und verteilt sich über den ganzen Tag. Wobei wir eigentlich auch bei der Frage wären, wie ich meine Zeit verbringe, wenn ich gerade nicht die wundervolle Flora und Fauna, wie hier links einen über meinen Kopf hinweg fliegenden Kakadu, bestaune:
Von Anfang an haben mich Jutta und Michael aufgenommen, als sei ich ein Teil der Familie. Sie sind warmherzige und offene Menschen, die mich mit allem versorgen, was ich benötige, so dass ich schon manchmal ein schlechtes Gewissen bekomme, wenn ich mal einen Tag nichts mache. Die erste Woche war verregnet und der durchweichte Erdboden machte es schier unmöglich irgendeiner Arbeit nachzugehen. Jutta, Michael und ich vergnügten uns mit 'Siedler' spielen und kennenlernen. Und wie es meiner Überzeugung entspricht, dass alles aus einem bestimmten Grund passiert, auch wenn man ihn nicht immer sieht, scheint es kein Zufall zu sein, dass mir der Weg hierhin geebnet wurde. Denn als ich sagte, dass ich in andere Länder möchte, um die jeweilige Kultur kennenzulernen, wohltätige Arbeit zu verrichten und mir Doris wärmstens ans Herz legte, hierher zu kommen, da wusste ich zwar, dass Michael ein gebürtiger Australier war, aber niemand hatte mir gesagt, dass er Aborigine, Clanoberhaupt, Gründer und erster Botschafter der Aboriginal Embassy ist, für seine Kultur und gegen die Regierung kämpft und eine ehemalige grüne Politikerin als Frau an seiner Seite hat, die mich durch ihre Gespräche und ihr revolutionäres Blut sehr bereichert. Wie mein Großcousin so schön sagte - eigentlich bräuchten wir nur noch einen Verteidigungsminister...
Somit lerne ich nicht nur das “Landleben” kennen, sondern darf jeden Tag etwas über die älteste bekannte Kultur lernen und werde mit einem winzigen Teil an Informationen versorgt, die so manchen Wissenschaftler interessieren dürften - es ist nämlich erschreckend, wie viel falsches und somit wenig über eine 40.000 Jahre alte Kultur bekannt ist und dass die Welt gar nicht wahrnimmt, wie es um diese Kultur steht. Es ist unglaublich interessant, Michael dabei zu beobachten und Juttas Geschichten zu lauschen, wie man Politik betreibt, die etwas Gutes hervorbringen will.
![]() ![]() Ansonsten helfe ich im Haushalt mit, bin Papa von Paul und Paula (zwei Lämmer, die bei den Sortierarbeiten die Mutter aus den Augen verloren haben) und kümmere mich um Kängu und Rudolf (hier rechts im Bild). Es ist, ja ich muss es einfach sagen - süß, Känguruhs und ihre Verhaltensweisen aus nächster Nähe zu betrachten. Rudolf, wie er gleich einem Pascha in der Sonne liegt und sein Weibchen beobachtet oder Kängu, die ihr Haupt zum schlafen menschengleich auf ihre kleinen Ärmchen bettet. Aber ich denke es ist besser, wenn ich Kängu nicht mehr so oft kraule, den Rudolf ist verdammt eifersüchtig und leider noch zu klein, um mich zu treten, auch wenn er hin und wieder mit seinen winzigen Händen nach mir greift und es am liebsten täte.
![]() Mir ist zudem eine Aufgabe zu Teil geworden, die mich und die Ziele meines Reisens in allen Belangen erfüllt und die mich schneller zu guten Taten gebracht haben wird und wohl länger hier bleiben lässt, als ich am Anfang gedacht hatte. Aber dazu in ein paar Monaten mehr, wenn das Projekt abgeschlossen ist. Ich schließe hier vorerst und nächsten Sonntag gibt es einen ausführlichen Bericht über “Scherereien” und auch wieder sagenhafte Landschaftsfotos von einer der Touren, auf die Michael mich mitnahm.
![]() - Wanderer
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