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Erlebnisse
Im Folgenden berichte ich von einigen Ereignissen, die sich während meines Hebel-Aufenthaltes ereignet haben.
Der Murray Grey
Wenn man mit Kühen arbeitet, lernt man schnell, dass es sehr einfach ist eine Gruppe zu bewegen. Obwohl Kühe massig sind und durchaus zutreten können, bevorzugen sie lieber das Weite zu suchen und hoffen, dass man sie in Ruhe lässt. Irgendeine Kuh rennt immer - und die anderen folgen stets. Auch die Richtung zu bestimmen ist nicht schwer und umso leichter, wenn man Flügelmänner dabei hat. Treibt man sie allein, verhält es sich ungefähr so, als nehme man einen Magneten und rolle damit eine sich von diesem abstoßende Kugel über grobes Sandpapier. Man bedient sich auch gerne Kelpies, die den Kühen dann leicht in die Waden beißen, um sie anzutreiben. Die neun Monate alte Thess hat allerdings einmal einen Tritt von einer schwangeren Kuh bekommen. Es sah zum Glück schlimmer aus und hörte sich schmerzhafter an, als es war und ich sagte ihr, dass sie schneller oder vorsichtiger werden sollte. - Sie wurde vorsichtiger. Das sieht dann ungefähr so aus, dass sie aus einem Meter Entfernung bellt und wenn die Kuh sich umdreht und sie anmuht Thess im hohen Gras abtaucht und wir uns wundern wo sie bleibt, bevor sie ungefähr 150 Meter weiter hinter uns aus dem Gras geschossen kommt. Schwieriger wird es da bei einzelnen Kühen, die ohne ihresgleichen anscheinend unter Orientierungslosigkeit zu leiden scheinen. Das heißt, sind keine anderen Kühe in Sichtweite und das Land ist nicht flunderflach, endet das Ganze hin und wieder damit, dass man eine Kuh stundenlang um ein und denselben Baum jagen könnte. Interessanter wird es da, wenn es sich dabei nicht um eine Kuh oder einen Stier (kastriert) handelt, sondern um einen Bullen, den man mit dem Rest der Herde verlegt hat, der sich aber dann dazu entschlossen hat, dass es auf der heimischen Weide doch gemütlicher war. Das verhält sich dann ungefähr so, wie eine einen Magnet abstoßende Metallkugel, die einen Magneten langsam und kontinuierlich vor sich her über Sandpapier schiebt. Gleich am ersten Tag, nachdem ich meine Instruktionen bekommen habe und alle, aber auch wirklich alle anderen, die mir hätten zur Hand gehen können verschwunden waren, versuchte ich vorsichtig und über eine halbe Stunde lang, einen Murray Grey zurück zu den anderen Kühen zu treiben, der allerdings mich - völlig unbeirrt und furchtlos - 4 km vor sich her und über eine Brücke trieb, während ich Schlangenlinien und Kreise vor ihm fuhr. Und als er Curra, das schon bald überflutet sein sollte, fast erreicht hatte und mit dem Wissen über seine Massigkeit stehen blieb und es nicht einmal für nötig hielt den Kopf zu senken oder zu Schnauben, sondern nur mit dem Vorderhuf über den Boden zu scharren, erfuhr ich eine völlig neue Bedeutung des jugendlichen Ausdrucks von: “Geh doch sterben.” Ich ließ ihn also ziehen und dachte im ersten Augenblick: “Hm, erster Tag und schon ein paar tausend Dollar futsch.” Jemand im Pub kannte diesen Bullen und sagte, er sei so massig, dass er wahrscheinlich sogar die Flut überlebe. Und am Ende behielt er Recht. Australischer Service
Service - und damit meine ich nicht den in Restaurants - schreibt man hier in Australien - selten, denn klein wäre ja immer noch einer. Guten Service - noch seltener. Das ist völlig unabhängig davon, ob man im Outback oder im Küstengebiet wohnt. Das man in der Service-Hotline vier Stunden lang 32 mal weitergereicht wird, weil keiner Ahnung von auch nur irgendetwas hat und das Telefonsignal dabei mindestens drei verschiedene Kontinente bereist, bevor es sich dann doch entscheidet, die Rolle eines Ping-Pong-Balles zwischen drei sich langweilenden Abteilungen einzunehmen ist keine Seltenheit. In diesem Falle funktionierte das Internet nicht, weil ein Mitarbeiter der Buchhaltung den Account gelöscht hat, weil er in der australischen Datenbank die Adresse nicht finden konnten, an die sie seit Jahren die Rechnungen schicken, die stets bezahlt wurden. Naja, Mogila Station hat keine Hausnummer und ist daher nur mit einer PO Box eingetragen. Größere Unternehmen und andere Regierungsinstitutionen lassen bei Verträgen und Anträgen nur Straßen mit Hausnummer und kein Postfach zu. Für diesen Grund richtet man in vielen Unternehmen eine Abteilung ein, die sich auf das Outback spezialisiert hat. Das Problem liegt nun darin, dass viele Mitarbeiter entweder nicht wissen, dass diese Abteilung existiert - dementsprechend auch nicht, an wen sie verbinden sollen - oder bei dem Begriff “Outback” zusammenzucken, die Hand auf die Muschel legen, völlig irritiert den Nebenmann oder die Kollegin ansehen und flüstern: “Du, die haben Telefon im Outback…” Genauso kann es vorkommen, dass man plötzlich neben jemandem steht, der sich wagt, ein drittes Mal bei der Hotline anzurufen, weil das neu angeforderte Passwort, selbst nach dem Befolgen aller Instruktionen, immer noch nicht greift. Dabei fällt einem schon mal das Kinn in die Hand, wenn der Anrufende den etwas bestimmter formulierten Hinweis, dass es nicht sein könne, dass man jedes Mal eine dreiviertel Stunde in der Schleife hängen muss, nur damit es dann wieder nicht funktioniert, von sich gibt, woraufhin diese Person so laut von dem Service-Mitarbeiter angeschrien wird, dass man als Beobachter der Situation jedes Wort so deutlich verstehen kann, als wäre man bei “Telstra” vor Ort. Und auch wenn ich sie anderen Anbietern auf Grund der Netzbreite hier in Australien bevorzugen würde, brachten sie mich auch in Hebel wieder zur Fassungslosigkeit. Da ich also für einige Zeit ein Handy eines einheimischen Anbieters benötigte, für den Fall der Fälle, stellten mir Michael und Jutta ein Handy zur Verfügung, dass mit einem Startguthaben von 10 Dollar geliefert wurde. Nun gut, man musste es halt nur noch aktivieren. Online oder per Anruf. Gerade kein Internet zur Verfügung, rief ich also bei der Service-Hotline an. Die Dame fragte mich wie es mir denn ginge und ob ich mit meinem Telefon zufrieden sei. Dass das Aktivieren auch ganz schnell ginge, sie nur ein paar Daten bräuchte und ich dann munter los telefonieren könnte. Mir kam es nur seltsam vor, dass sich ihre Stimme zum Schluss überschlug. Zurecht - nachdem ich aufgelegt hatte bekam ich eine SMS mit der Nachricht, dass mein Guthaben unter einen Dollar gefallen wäre und es ja wohl Zeit wäre, mal wieder aufzuladen. Ich sollte anspruchsloser werden. Immerhin hat Telstra mir 10 Dollar Startguthaben in das Paket gepackt, damit ich das Handy aktivieren kann.
Untermieter
Die Hütte in Hebel war sehr sauber, aber da hier in Zeiten einer Überschwemmung Heuschrecken, Sandfliegen und Moskitos zu einer so unbeschreiblichen Plage werden, dass sogar die Besitzer der Hütte erlaubten, dass Thess und Biddy für die schlimmsten zwei Wochen drinnen schliefen, war ich natürlich um jede Spinne und meinen eigenen, kleinen Badezimmer-Gecko, die mich zumindest Nachts vor den Blutsaugern bewahrten, sehr dankbar. Aber auch um die Hütte herum, ließen sich allerlei Tierchen nieder. Und glaubte ich eines Morgens die Tür zu öffnen und Thess mit einer Schlange spielen zu sehen, so wurde mir schnell klar, dass dieses Etwas viel zu dürr war. Und bei einem näheren Blick entpuppte sich die vermeintliche Schlange als eine beeindruckend lange Kette von Raupen, die wohin auch immer marschierten. Und jede einzelne schien sich nur an der nächsten zu orientieren. Ich habe mich nur gefragt, ob sie sich wohl totlaufen würden, wenn man es fertig brächte die erste wieder an die letzte heranzuführen. Das Bild zeigt die Raupen mit einem Objektivdeckel. Ein Klick auf das Bild und ein weiterer Klick im neuen Fenster liefern eine “scrollbare” Nahaufnahme.Wenn das Bier alle ist - oder - Mit dem Traktor nach Hebel
Die Flut schnitt die Menschen nicht nur von den größeren Ortschaften ab, sondern den einen oder anderen für einen gewissen Zeitraum auch von allem anderen. Da es hier draußen in Notsituationen einen Hubschrauberdienst gibt, braucht man sich keine Sorgen machen, dass einem die Nahrung ausgeht. Auch wenn es schon mal zu einem gemeinschaftlich entsetzten Kopfschütteln der kargen Bevölkerung Hebels führt, wenn die Besitzerin des Minishops den Hubschrauber für acht Flaschen Milch anrücken lässt, die eh keiner kaufte, weil sich alle gut vorbereitet hatten. Aber was macht man, wenn man allein auf seiner Farm hockt von Wasser umgeben ist und einem das Bier ausgeht? Man versucht tagelang wie Moses, die Fluten zu spalten, um den Hebel-Pub zu erreichen. Und nachdem man endlich eingesehen hat, dass man nicht zu der Gilde der Wunderwirker gehört, setzt man sich mit seinem Sohn in einen Traktor und lässt diesen verrichten, was zuvor nicht glückte.![]() Die Straße nach Mogila
Als sich das Wasser allmählich zurückzog, bat mich Michael, mit der Quad nach Mogila zu kommen und ihn über die Situation der Straße aufzuklären. Mogila liegt, wie schon erwähnt, 31 km von Hebel entfernt und bis auf zwei gut passierbare Schlammstellen kam ich gut voran. 6 km vor Mogila allerdings war es dann endlich soweit, dass ich Michael anrufen musste. Er fragte mich, wie die Straße denn aussähe. Spontan fragte ich gegen, welche Straße er meinte. Na, die Straße. - Wie soll ich sagen? Die war weg… Ich war also gute 25 km vorangekommen und war mit guten 50 Stundenkilometern unterwegs, als sich vor mir auf ungefähr 2 Metern eine 1,5 Meter tiefe Schlucht auftat, in welche ich ungelogen um kreuzlange Haareslänge die Quad versenkt hätte. Später erfuhr ich, dass diese Auswaschung dafür verantwortlich war, dass das Farmhaus nicht unterging. Der Bruch durch die höher liegende Straße ermöglichte Unmengen von Wasser, sich auf der anderen Seite auszubreiten. Der Weg nach Lightning Ridge
Als ich hörte, dass in den kommenden Tagen Hebel abgeschlossen sein würde, entschied ich mich einen Tag später noch einmal einkaufen zu fahren. Und wie ich aufbrach, wünschte mir Chris vom Hebel-pub viel Glück, da der Narran einer Senke in der Straße kurz vor Lightning Ridge schon habhaft geworden sei. Dann winkte er ab und sagte, es seien aber nur 40 cm und dass ich mir mit einem Allradantrieb keine Gedanken machen bräuchte. Nun gut, dachte ich, er wird wissen, wovon er redet. Er hatte auch Recht, es verlieh einem zwar ein mulmiges Gefühl, dass erste mal durch so hohes Wasser zu fahren, aber ich kam sicher auf der anderen Seite an. Man muss immer nur in Bewegung bleiben, damit der Auspuff nicht volllaufen kann. Was aber auch Chris nicht wusste war, dass das 40 cm tiefe und 100 Meter weit reichende Wasser in nur zwei Stunden auf 50 cm und 300 Meter anwachsen konnte und an dieser Stelle mit guten 20 - 30 km/h eine gute Möglichkeit bot, Opfer eines schwimmenden Baumstammes auf Erkundungstour zu werden. Ich stand also dort, saß in meinem Wagen und beobachtete mehr als 4 Dutzend Menschen, die fröhlich und heiter durch die Wasser wateten. Unnötig zu erwähnen, dass mittlerweile die Straße gesperrt worden war. Ich fuhr an der Straßenabsperrung vorbei und stand also vor den Fluten. Ich wollte nicht, aber bei dem Gedanken an die Herde war es absolut klar, dass ich es mir nicht erlauben konnte eine Woche in Lightning Ridge festzuhängen. Als wäre die Situation nicht schon heikel genug gewesen, sah ich plötzlich auch noch die Polizei im Rückspiegel, die einfach nur dort stand und wartete was ich wohl machen würde. Später erfuhr ich, dass befahren einer gesperrten Straße mehrere tausend Dollar Strafe kostet, aber dass ich sie in meiner Situation wohl nicht hätte zahlen müssen. Dennoch - Rückwärtsgang und gemächlich am Polizeiwagen vorbei, dessen Fahrer mich bitterböse anschaute, da ich ja bereits an dem Schild vorbeigefahren war. Und als die Polizei sich in die Fluten stürzte, auf halbem Wege wegen der Menschen auch noch stehen blieb, dachte ich mir: ’Gut, wenn die das schaffen, schaff ich das auch.’ Die Polizei verschwand hinter dem Hügel in der Ferne. Vierradantrieb rein. Differential verriegeln. Und los ging es. Und ja, sagen wir es ruhig unverblümt: Die Touren am Anschlag heulte der Motor nicht - er kotzte. Die Strömung in der Mitte war so stark, dass ich ununterbrochen gegenlenken musste und auf den letzten 30 Metern wurde der Wagen langsamer und langsamer und…. langsamer. Man kann sich gar nicht wehren, aber nachdem man bereits 270 Meter zurückgelegt hat, platzt es eigentlich nur noch aus einem heraus: “Shit, nicht jetzt!” Prustend und spuckend schaffte der Pathfinder es dennoch auf dass trockene Ufer. Wie soll ich sagen? Echt berauschende Erfahrung, die ich aber nicht noch einmal brauche. Schattenseiten
Verheerende Umstände, erfordern manchmal auch entsprechende Maßnahmen. Denn auch wenn alles so abenteuerlich und harmlos klingen mag, so darf man natürlich nicht vergessen, dass viele Kühe, Schafe, Känguruhs, Emus und allerlei andere Tiere zu tausenden ihr Leben in den Wassern gelassen haben. Unter anderem trägt die australische Regierung gewaltig Schuld daran, die nicht wie die Deutsche sehr oft Massnahmen vor einer Katastrophe ergreift, sondern jegliches Vorab-um-Hilfe-Bitten im Keim erstickt und nur Schadensregulierung betreibt und auch das wieder mit Hintergedanken, auf die ich hier nicht näher eingehen will. Schlimm genug für die unvermeidlichen Opfer, war es um so trauriger zu der Erkenntnis zu kommen, dass es auch Farmer gab, die sich einen Dreck um Adjustment-Schafe gekümmert haben, also um die Schafe von Kunden, die den Farmer für das Grasenlassen bezahlen. Oft lag es nur an mangelndem Arbeitseinsatz, dass Schafe - wie die hier im Bild zu sehenden - langsam sterben mussten, weil sie stecken blieben. Aber eine Flut bringt auch Krankheiten und andere Begebenheiten mit sich, von denen die Tiere befallen werden und dann entstehen Situationen, in denen man sich der Sache und der Situation entsprechend selbst annehmen muss, aber dazu mehr im folgenden Bericht.- Wanderer
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Die Hütte in Hebel war sehr sauber, aber da hier in Zeiten einer Überschwemmung Heuschrecken, Sandfliegen und Moskitos zu einer so unbeschreiblichen Plage werden, dass sogar die Besitzer der Hütte erlaubten, dass Thess und Biddy für die schlimmsten zwei Wochen drinnen schliefen, war ich natürlich um jede Spinne und meinen eigenen, kleinen Badezimmer-Gecko, die mich zumindest Nachts vor den Blutsaugern bewahrten, sehr dankbar. Aber auch um die Hütte herum, ließen sich allerlei Tierchen nieder. Und glaubte ich eines Morgens die Tür zu öffnen und Thess mit einer Schlange spielen zu sehen, so wurde mir schnell klar, dass dieses Etwas viel zu dürr war. Und bei einem näheren Blick entpuppte sich die vermeintliche Schlange als eine beeindruckend lange Kette von Raupen, die wohin auch immer marschierten. Und jede einzelne schien sich nur an der nächsten zu orientieren. Ich habe mich nur gefragt, ob sie sich wohl totlaufen würden, wenn man es fertig brächte die erste wieder an die letzte heranzuführen. Das Bild zeigt die Raupen mit einem Objektivdeckel. Ein Klick auf das Bild und ein weiterer Klick im neuen Fenster liefern eine “scrollbare” Nahaufnahme.
Die Flut schnitt die Menschen nicht nur von den größeren Ortschaften ab, sondern den einen oder anderen für einen gewissen Zeitraum auch von allem anderen. Da es hier draußen in Notsituationen einen Hubschrauberdienst gibt, braucht man sich keine Sorgen machen, dass einem die Nahrung ausgeht. Auch wenn es schon mal zu einem gemeinschaftlich entsetzten Kopfschütteln der kargen Bevölkerung Hebels führt, wenn die Besitzerin des Minishops den Hubschrauber für acht Flaschen Milch anrücken lässt, die eh keiner kaufte, weil sich alle gut vorbereitet hatten. Aber was macht man, wenn man allein auf seiner Farm hockt von Wasser umgeben ist und einem das Bier ausgeht? Man versucht tagelang wie Moses, die Fluten zu spalten, um den Hebel-Pub zu erreichen. Und nachdem man endlich eingesehen hat, dass man nicht zu der Gilde der Wunderwirker gehört, setzt man sich mit seinem Sohn in einen Traktor und lässt diesen verrichten, was zuvor nicht glückte.
Verheerende Umstände, erfordern manchmal auch entsprechende Maßnahmen. Denn auch wenn alles so abenteuerlich und harmlos klingen mag, so darf man natürlich nicht vergessen, dass viele Kühe, Schafe, Känguruhs, Emus und allerlei andere Tiere zu tausenden ihr Leben in den Wassern gelassen haben. Unter anderem tr