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Ein Schaf töten

Manche werden sagen, es sei grausam, andere, dass es menschlich sei. Ich denke, es ist eine Form von höchstem Respekt einer Lebensform gegenüber, den nur derjenige wirklich nachvollziehen kann, der es selbst einmal tun musste.

Manchmal fährt man über die Weide und sieht ein Schaf danieder liegen. Und so, wie es dort liegt, weiß man bereits, dass es tot ist oder im Sterben liegt. Eigentlich immer möchte man weiterfahren und sich einreden, dass es bereits tot ist. Aber im Grunde genommen weiß man, dass dies in vielen Fällen nicht der Fall ist. Goannas kriechen von Hinten in ein Schaf, dass zusammengebrochen ist und essen es von Innen heraus bei lebendigem Leibe auf. Krähen setzen sich auf die Köpfe von Schafen, die schwach danieder liegen oder stecken geblieben sind. Dann picken sie die Augen aus oder fressen den Nasenrücken und die Kiefer weg, sodass, selbst wenn das Schaf sich erholen sollte, es blind umher rennt, bis es endlich verhungert ist. Oft setzen auch Fliegen ihre Eier auf die freiliegenden Hautpartien und wenn es zu spät entdeckt wird und die Larven schlüpfen, werden auch jene über einen sehr langen Zeitraum von den Maden gefressen. Was auch immer davon der Fall ist, so liegt dieses Schaf dort und lässt einen Menschen nicht fassen, wie grausam es ist, dass ein dahinsiechender Körper so lange durchzuhalten vermag. Es gibt keinen Tierarzt weit und breit und nicht jeder hat ein Gewehr. Und man weiß genau, was jetzt kommt.

Man steigt von seinem Gefährt und nimmt das Messer zur Hand und obwohl man es schon einige Male gemacht hat, hofft man, dass es auch dieses Mal schnell gehen wird. Wenn man Pech hat, dann hat das Schaf seine Augen noch und fleht einen an, etwas zu tun. Wenn man noch mehr Pech hat, ist eine handtellergroße Fläche über dem Auge, die über und über von wimmelnden und zirkulierenden Maden bedeckt ist, während das Schaf nur noch durch Zuckungen und einen sich maschinengleich hebenden und senkenden Brustkorb zu zeigen vermag, dass es immer noch leben muss. Dann ergreift man den Unterkiefer des armen Geschöpfes und legt den Kopf in dessen Nacken. Und es ist immer das Gleiche, für einen kurzen Augenblick fühlt man Schuld, die, um sich selbst zu trösten, in Mitleid umschlägt. Aber es täuscht nicht darüber hinweg, was man tun muss. Nicht selten mit Tränen in den Augen drückt man den Kopf des Tieres soweit zurück wie es eben geht, um die Haut um die Gurgel auf Spannung zu bringen. Manchmal kann man ein leises ‘Es tut mir Leid’ vernehmen, während das Messer durch die vordere Haut des Halses gestochen wird. Dann setzt das Gehirn aus und man schneidet so tief wie möglich, während man den Kopf, von der Spannung der Haut befreit, durchdrückt, bis man ein knackendes Geräusch vernimmt. Wenn man alles richtig gemacht hat und das Genick sofort bricht und man sich von den Zweifeln befreien kann, die einem die letzten Muskelzuckungen bereiten, dann wird man für einen kurzen Augenblick leer zurückgelassen…







- Wanderer