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Die Flut

Die ersten paar Tage brachten einen langsamen und stetigen Anstieg des Wassers mit sich und eine Woche lang ein vier Mann starkes Team des “Department of Natural Resources and Water of the Queensland Government”. Da wären zum einen der in Polen geborene, weltgewandte Konrad, der eine australische Frau geheiratet hat und mit dem ich genauso gute und tiefsinnige Gespräche führen durfte, wie mit dem älteren und ebenso welterfahrenen Amerikaner Luke, der nicht nur mein Wissen über den Sternenhimmel erweiterte. Zum anderen waren dort die beiden jungen, äußerst netten und sehr aufgeschlossenen Australier Stephen und Lockland. Die vier fuhren täglich die Flüsse ab und nahmen für die Statistik relevante Messungen vor. Und auch, wenn ich sie sehr schätzte und wir viel Spaß hatten, so fragte ich mich doch, wozu man jahrelang Statistiken sammelt und wenn man dann diejenigen befragt, die sich damit auseinandersetzen, wie sich die Flut denn nun entwickeln würde, als Antwort bekommt: “Hmmm, noone knows.” Fairer Weise muss man sagen, dass dies die erste Flut war, nachdem man die “Levi-Wälle” der Baumwollfelder errichtet und dem Wasser so einen gewaltigen Verteilungsspielraum genommen hatte. Ihr Einfluss auf das Geschehen kannte daher wirklich niemand. Aber ich bin mir sicher, dass die Antwort auch ohne Levi-Wälle so ausgefallen wäre.

War es zu Beginn noch möglich über den Bokarra und weiter die Staße entlang und somit auch über den Ballandool (ein Nebenarm der dem Bokhara entspringt und in diesen wieder zurückfließt) zu fahren, so konnte man nach einer Woche quasi zuschauen, wie das Wasser sich seinen Weg suchte und sich nach einer gewissen Zeit sogar Flüsse über die Straße bildeten, welche solange rückwärts flossen, bis der See, den sie stetig füllten, sich flussaufwärts mit den Hauptflüssen vereinigt hatte. Der Anstieg des Wassers betrug die flood-hebelletzten zwei Tage vor dem Höchststand etwa 40 mm pro Stunde und hörte dann fast schlagartig  auf. Und während im ca. 130 km weiter nördlich gelegenen St. George immer noch Menschen aus den Fluten geholt wurden und wir in Hebel schon durchatmen konnten (das Bild rechts zeigt, wie nah das Wasser kam), mussten sich Jutta und Michael noch zwei Tage gedulden, wo der Höchststand, da die Flut sich mit nahezu 20 km pro Tag flussabwärts bewegte, auf sich warten ließ. Der eine oder andere mag jetzt sagen: “Und was ist jetzt endlich mit Bildern?” - Sofort. Eine kurze Situationsbeschreibung. Das Wasser des Culgoa, des Ballandool und des Bokhara, flossen nun fast wie ein geschlossener Teppich über das Land, während die Straße, die fast parallel zum Bokhara und von Hebel nach Mogila verläuft sozusagen das höher liegende Randgebiet ist, wo nach einigen Kilometern der das Land überschwemmende Narran floss und dass der Narran sich im Süden später mit den anderen Flüssen vereinte, führte zur absoluten Isolation von der Außenwelt. Und als der Höchsstand Mogila erreichte, war das Farmhaus eine Insel auf einer Insel im Outback. Und auch wenn das wirkliche Ausmaß der Überschwemmung nur schwer auf Fotos festzuhalten ist, zumal selbst Stellen, die trocken erscheinen, meist mit einem grashohen Wasserfilm überzogen waren, soll die nun folgende Fotostrecke einen kleinen Einblick in das sieben-wöchige Abenteuer verschaffen. Die Bilder hat mir im Übrigen Michael ermöglicht, der zwei Hubschrauberflüge für mich arrangierte, um sich an Hand der Fotos einen Überblick der wenigen trockenen Landstriche zu bekommen und somit im Falle einer weiteren Flut die sicheren Stellen für die Herden in Erfahrung zu bringen. Ich war zwar ein LEGO-Kind, aber hey; Flug ist Flug:

Der Hubschrauber:

chopper

Zwei typische Flutbilder:

typical_picture


typical_picture2

 


Die Baumwollfelder "Cubby Station" deren Wälle zum Glück vieler nicht standhielten:

cubby

Der Fluss Culgoa am Rande von Cubby-Station:

culgoa-cubby

Einer der vielen künstlichen, bis zum Anschlag gefüllten Dämme und angrenzendes überflutetes Land:

damm

Die meisten Wege ähnelten diesem hier:

street

Die Brücke über den Fluss Ballandool:

ballandool_bridge

 

Kommen wir zu Mogila Station und den Verlauf der Flut dort. Wie ich schon erwähnte ist auf Mogila alles möglich - und so auch dieses Mal. Vorweg: So stand es um Mogila:

Michael (links), Grant (der Pilot) und Paula bei der Flugroutenplanung:


check


Mogila:

mogila-a

Die Ställe:

mogila

Die Yards:

yards

Der hintere Bereich:

back

Der Blick aus der Küche:

back2

Die Front:

front

Man betrachte den Garten oben links im Bild und die Ziegelreihe bei dem Blick aus der Küche. Genau so sah es aus: Tonnen von Wasser umgaben Mogila (es reichte sogar bis unter das Haus) und Michael musste den Rasen bewässern, damit er nicht einging. Am Ende fehlten 20 cm im hinteren Bereich, während wir nun gewellte Parkettleisten auf der Veranda haben, da das Wasser sie so gerade eben berührte. Unter dem Strich stand also alles unter Wasser, nur das Haus und der Garten nicht und irgendetwas sagt mir, dass dies kein Zufall war. Von nun an sollte es vier Wochen dauern, bis wir allmählich wieder zum Alltag zurückkehren konnten.






- Wanderer