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Einleben

Es ist immer wieder schön, aus seinen Gewohnheiten gerissen zu werden und festzustellen, dass man sich im Grunde genommen doch nicht so gut kennt, wie man immer - eben wegen jener Gewohnheiten - annimmt; Es schafft immer wieder Raum für Veränderungen und Einsichten. Da ich während des Fluges gut geschlafen hatte und ausgeruht am Morgen in Brisbane gelandet war, spürte ich den ersten Tag keinerlei Anzeichen eines Jetlags. Und da es die folgenden beiden Tage in Strömen regnete, war es nicht ganz so schlimm, dass er dann doch zuschlug und ich erstmal in den Seilen hing und nichts zu Stande brachte, außer im Drei-Stunden-Takt zu schlafen, unregelmäßig zu essen und Abends meine zwei, drei Bier bei einem oberflächlichen Gespräch mit Mitbewohnern zu trinken. Übrigens sollte man mit dem australischen Bier vorsichtig sein. Man darf es nicht so schnell trinken, wie man es in Deutschland gewohnt ist und auch nicht zu viel. Tut man es dennoch, wird man mit Magenproblemen und äußerst fiesen Kopfschmerzen bestraft.

In den darauf folgenden Tagen wurden viele gewonnene Ansichten, wenn man die Kürze des Aufenthaltes bedenkt, relativiert. Nicht zuletzt deshalb, weil ich Julian kennenlernen durfte, der mir in sehr kurzer Zeit, sehr viel über Australiens Backpackerszene erzählen konnte. Er kommt aus Münster und bewegt sich mittlerweile seit fast zwei Jahren durch Australien. (Ich werde später noch einen Bericht über die BP-Szene hinzufügen.) Aber auch die Wanderungen durch die City, die Parks und das Museum offenbarten viele interessante Sichtweisen. So ist Brisbane, bei genauem Hingucken in die richtigen Ecken und Gebüsche genauso vermüllt wie die meisten anderen Großstädte, alle wuseln tagsüber wie die Ameisen durch die Gegend und jagen dem großen Geld hinterher, als könne man hier noch den amerikanischen Traum verwirklichen. Überall wird gebaut, gebuddelt und wuchern neue “Skyscrapers” aus dem Boden - laut einem Einheimischen, würde jemand, der vor 20 Jahren schon einmal hier war, Brisbane nicht ansatzweise wiedererkennen.
bb-windowAllerdings sind die künstlich angelegten Parks sehr schön gestaltet worden und erholsam. An jeder Ecke und in jedem versteckten Winkel befinden sich Kunstobjekte und verschönern das Stadtbild ungemein. Und die Sonne? Kraftvoll ist das richtige Wort, wenn sie denn mal scheint. Man sollte hier übrigens nie - egal was für einen Eindruck das Wetter macht - ohne kleinen Schirm in der Tasche oder Regenjacke im Rucksack aus dem Haus gehen. Das Wetter erscheint sehr instabil.

- Wanderer