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Erwachsenwerden


Die Schirme sind geöffnet, die Schritte schneller geworden. Autos rasen durch Pfützen und Wasser schießt empor – prasselt auf den gepflasterten Steig. Die Menschen heben ihre Blicke nicht mehr. Das tun sie sonst auch nicht, aber an so Tagen wie heute fällt es besonders auf. Ich habe absichtlich das Haus verlassen. Ich musste raus. Trage keinen Schirm bei mir. Die Linke in der Hosentasche verstaut und mit der Anderen trage ich meine Zigarette vor mir her. Ich schleiche eher über das Pflaster, als das man es Gehen nennen könnte. Der Regen kann meinen dicken Wollpulli nicht durchdringen, aber meine Gedanken. Die heißen Tage scheinen vorüber und ein neuer Herbst würde beginnen. Die ersten Blätter fallen, doch sie sind noch grün. Herbst – eine erhabene Zeit.

Früher war der Regen noch kalt und nass. Das ist er heute auch noch – aber anders. Mit dem Erwachsenwerden bekommt man Ehrfurcht vor Dingen wie Wein, Wissen und dem Leben selbst. Zum Glück bin noch nicht erwachsen – sondern irgendwo dazwischen. Ich habe Ehrfurcht vor dem Regen bekommen, vor dem Wind, der ihm nur selten von der Seite weicht. Regen sei etwas furchtbares, sagen Sonnenkinder und Bauern. Regen sei etwas wunderbares, sagen Poeten - und Bauern. Auch heute ist Regen noch kalt und nass – aber anders als früher. Ich gehe weiter die Straße hinunter und frage mich, warum ich so denke, wie ich es nun mal tue. Warum habe ich dieses Gefühl, dass ich über das, was ich gerade erlebe, was ich gerade fühle mit keinem Erwachsenen reden kann, mit keinem Kind? Ich spüre, wie der Regen seine Bahnen über mein Gesicht zieht, wie er mich berührt.

Mir fällt auf; es sind Kinder, es sind Erwachsene und Alte, die vor dem Regen flüchten. Und mit einem Mal bekomme ich Angst. Auch früher war der Regen kalt und nass – aber anders, höre ich mich in weiter Zukunft sagen…





- Wanderer